In der 6. Klasse beginnen die Schülerinnen und Schüler des Feodor-Lynen-Gymnasiums mit der zweiten Fremdsprache: Latein oder Französisch. Die Entscheidung, welche der beiden Sprachen erlernt werden soll, müssen die Kinder und Eltern bereits vor dem Übertritt auf das Gymnasium, also vor der 5. Klasse fällen. Die folgenden Informationen sollen Ihnen und euch bei der Entscheidungsfindung helfen.

Eine grundlegende Bitte möchten wir vorausschicken: Sehr häufig wählen Kinder und Eltern einfach die Sprache, von der sie annehmen, sie sei einfacher zu lernen. Oft hören wir, dass Latein gewählt wurde, da die Rechtschreibung und Aussprache des Französischen zu kompliziert sei. Und viele entscheiden sich für Französisch, weil sie den Lernaufwand im Fach Latein für höher halten. Es gibt jedoch weitaus bessere Gründe für die Sprachenwahl, und daher bitten wir alle Schülerinnen und Schüler:

Entscheidet euch nicht gegen eine der beiden Sprachen, sondern für Latein oder für Französisch. Der Einstieg in das neue Fach wird besser gelingen, wenn ihr positive Gründe dafür habt, dass ihr diese Sprache lernt (z.B. Interesse an der Antike oder Begeisterung für Frankreich und die Franzosen).

Auf dieser Seite bieten wir Informationen zu folgenden Fragen an:

1. Welche Sprache ist die einfachere?
2. Was bieten die Fächer Latein und Französisch?
3. Wo kann ich weitere Informationen erhalten? Wie treffe ich meine Wahl?



1. Welche Sprache ist die einfachere?

Schülerinnen und Schüler, die vor der Sprachenwahl stehen, stellen meistens zuerst die Frage nach dem Schwierigkeitsgrad. Leider gibt es keine eindeutige Antwort. Die Betrachtung der am Feodor-Lynen-Gymnasium in Latein und Französisch erbrachten Leistungen ergab, dass es, auf die gesamte Schullaufbahn bezogen, keinen signifikanten Unterschied zwischen den in Latein und in Französisch erreichten Noten gibt.

Auch lässt sich kaum im Voraus bestimmen, welches Kind mit Latein besonders gut zurechtkommen wird und welches mit Französisch. Es gibt sowohl mathematisch als auch sprachlich begabte Schülerinnen und Schüler, die in Latein und Französisch gute Ergebnisse erzielen. Ohnehin ist die wichtigste Voraussetzung für ein erfolgreiches Abschneiden in Latein und Französisch großer Fleiß. Der Arbeitsaufwand ist in beiden Fächern vergleichsweise hoch.

Allenfalls der folgende Rat kann bei aller gebotenen Vorsicht gegeben werden: Wenn ein Kind sehr zurückhaltend ist, nicht gerne in der Öffentlichkeit steht, sich nur ungern im Unterricht äußert, aber trotzdem gewissenhaft mit dem Schulstoff befasst ist, dann könnte Latein die bessere Wahl sein als Französisch. Im Französischunterricht legen wir dagegen – wie im Englischen – auf die spontane mündliche Äußerung in der Fremdsprache Wert.

Zur Rechtschreibung: Viele Kinder und Eltern entscheiden sich deshalb für Latein, weil die Rechtschreibung des Französischen als schwer gilt. Tatsächlich können Schülerinnen und Schüler, die mit dem Lesen und der korrekten Orthographie Probleme haben, das französische Schriftbild, das sich – zumindest für deutsche Augen und Ohren – doch sehr von der Aussprache unterscheidet, als verwirrend empfinden. In Latein sprechen wir die Wörter weitgehend so aus, wie sie geschrieben werden, und Rechtschreibfehler haben keinen oder allein einen geringen Einfluss auf die Note. Trotzdem ist das genaue Lesen im Lateinunterricht von zentraler Bedeutung: Übersieht man in einem Wortstamm oder einer Endung einen Buchstaben oder liest ihn falsch, dann wird dies zu einem Wortschatz- oder Grammatikfehler führen, der dann den Sinn des ganzen Satzes entstellen kann. Andererseits ist zu beachten, dass es die so gefürchteten Diktate in Französisch nicht mehr gibt und die moderne Fremdsprache gerade Schülern, denen das richtige Schreiben schwerfällt, Möglichkeiten zur Entfaltung im mündlichen Bereich bietet. Schwächen in der Rechtschreibung sollten somit zumindest nicht automatisch dazu führen, dass ein Kind Latein wählt. Keinesfalls sollten sie der einzige Grund für diese Entscheidung sein.

 

2. Was bieten die Fächer Latein und Französisch?

Der Unterschied zwischen beiden Sprachen liegt auf der Hand: Französisch ist ein moderne Fremdsprache, mit der man sich in Frankreich und zahlreichen weiteren Ländern verständigen kann, was etwa im Urlaub oder später im Berufsleben von Nutzen sein kann. Latein führt dagegen zueiner intensiven Auseinandersetzung mit der eigenen und mit fremden Kulturen und vertieft zudem den Umgang mit der Muttersprache. Folgende Gründe sprechen für die beiden Sprachen (vgl. auch die Seiten der Fachschaften Latein und Französisch):

 

Latein

Latein bietet eine intensive Auseinandersetzung mit Sprache und Grammatik, die das Verständnis jeder weiteren Sprache sehr erleichtert; insbesondere sorgt Latein für ...

  • ... die vertiefte Auseinandersetzung mit der deutschen Muttersprache, deren Wortschatz, Formenlehre und Satzbau durch Latein besser begriffen werden; weiterhin schafft Latein...
  • ... die Grundlage für das Erlernen weiterer Fremdsprachen, vor allem (aber nicht nur!) der romanischen (Italienisch, Spanisch usw.); dies wiederum ermöglicht sehr bald ...
  • ... einen ersten Einstieg in andere europäische Kulturen. (Immer wieder berichten Kinder, dass sie im Italienurlaub auf lateinische oder dem Lateinischen ähnliche Wörter gestoßen sind.)

Latein vermittelt grundlegendes Wissen über die antike griechische und römische Kultur; zum Beispiel (für einen genaueren Überblick vgl. unsere Grundwissenskataloge) geht es um:

  • das Alltagsleben der Römer, ihre Religion, ihre Kleidung und ihr Essen;
  • die antike Stadt Rom mit ihren Gebäuden wie dem Kolosseum, dem Circus Maximus oder ihren Badeanstalten;
  • dasUnterhaltungsprogramm in Rom wie z. B. Gladiatorenkämpfe, Wagenrennen oder Theateraufführungen;
  • die griechische und römische Geschichte, in der uns so berühmte Römer wie Gaius Julius Caesar, die Kaiser Augustus und Nero oder auch der Makedonier Alexander der Große, der Karthager Hannibal und die ägyptische Königin Kleopatra begegnen;
  • die antiken Wissenschaften, vor allem die Philosophie, die von so großen Denkern wie den Griechen Sokrates und Archimedes oder auch dem Römer Cicero geprägt wurde;
  • Grundlagen auch der griechischen Sprache und Kultur (unter anderem wird das griechische Alphabet gelernt);
  • die griechische und römische Götterwelt und die antiken Mythen vom Krieg um Troia bis hin zu Romulus und Remus.
  • Die Auseinandersetzung mit der Antike, von der gerade wir Mitteleuropäer schon so viel gelernt haben, die aber auch große Unterschiede zu unserem heutigen Leben aufweist, kann uns helfen, unsere eigene Kultur besser zu verstehen.

Insbesondere geht es in Latein um die Lektüre antiker römischer Originaltexte,das heißt: Wir übersetzen tatsächlich Passagen aus Büchern, die bereits vor rund 2000 Jahren geschrieben wurden! Unter anderem können folgende Autoren und Texte gelesen werden:

  • Caesars Beschreibungen seines Kriegs gegen die Gallier;
  • die Biographien berühmter Männer (z. B. Hannibal oder Alexander der Große), die Autoren wie Nepos oder Curtius Rufus verfassten;
  • die Reden des Cicero, des größten römischen Rhetorikers;
  • die Briefe, die uns z. B. von Autoren wie Cicero oder Plinius überliefert sind;
  • die philosophischen Werke Ciceros und Senecas, aber auch sonstige wissenschaftliche Texte wie die Naturgeschichte des Plinius;
  • die antiken Sagen in den Metamorphosen(„Verwandlungsgeschichten“) des Dichters Ovid;
  • die Gedichte über Liebe (und weitere Themen) in den Werken Catulls und Martials oder auch Auszüge aus der Liebeskunstdes Ovid;
  • die Fabeln des Dichters Phaedrus;
  • antike Romanprosa wie z. B. die Geschichte vom König Apollonius, ein Liebes und Abenteuerroman;
  • Auszüge aus der lateinischen Fassung der Bibel (Vulgata).

Aber: Latein befasst sich nicht allein mit der Antike. Da Latein im Mittelalter und in der Neuzeit, vor allem der Renaissance, immer noch eine wichtige Kultursprache war, nimmt der Lateinunterricht auch spätere Epochen und ihre Kulturen in den Blick; unter anderem können uns dabei folgende Themen begegnen:

  • das Voranschreiten des Christentums in Europa im Spiegel lateinischer Texte, in denen es z. B. um das Leben der Heiligen geht;
  • das Leben so bedeutender Persönlichkeiten wie z. B. Karls des Großen;
  • mittelalterlicheTexte wie die berühmten Carmina Burana;
  • die Gedanken der Renaissance-Humanisten wie z. B. Erasmus von Rotterdam.
Insgesamt gilt:
  • Latein fordert und vermittelt einen konzentrierten Arbeitsstil, bei dem gerade auf Kleinigkeiten zu achten ist (mikroskopisches Lesen). In keinem anderen sprachlichen Fach muss man derart genau hingucken, um die richtige Lösung zu finden.
  • Latein fordert und fördert die Fähigkeit zur systematischen, ausdauernden und konzentrierten Beschäftigung mit einem Gegenstand.
  • Lateinvermittelt grundlegende Arbeitstechniken und Kenntnisse, die auch den anderen Fächern zu Gute kommen können; z. B. Sicherung der Grammatikbegriffe des Deutsch- und Englischunterrichts, Ergänzung des historischen Wissens über die Antike aus dem Geschichtsunterricht sowie die Fähigkeit, auch komplizierte Texte genau zu lesen und zu verstehen.
  • Durch die Vermittlung dieser Techniken und Kenntnisse steigert Latein die allgemeine Studierfähigkeit. Ohnehin werden das Latinum oder Lateinkenntnisse in zahlreichen Studienfächern und Abschlüssen der Universitäten vorausgesetzt oder gelten zumindest als wünschenswert.

 

Französisch bietet ein Kennenlernen der Kultur und Sprache eines unserer wichtigsten Nachbarländer; insbesondere sorgt Französisch für ...

  • ...das Erlernen einer weit verbreiteten Weltsprache (neben Frankreich wird Französisch auch in Belgien, der Schweiz, französisch Kanada, Nordafrika usw. gesprochen!)
  • ...das Erlernen einer offiziellen Sprache der EU
  • ...Kontakt zu Frankreich (auch durch den Austausch der 8. Klassen)
  • ...die Förderung von Toleranz gegenüber anderen Ländern und Kulturen (nicht nur die französische-europäische, sondern auch die arabische)
  • ...Kennen lernen der französischen Kultur und Lebensart (s.u.)
  • ...eine weltweite Kommunikationsmöglichkeit in Kombination mit dem Englischen

Französisch dient als Brückensprache; insbesondere erleichtert Französisch ...

  • ...das Erlernen einer weiteren romanischenSprache (Spanisch, Italienisch, ...) sowohl in Hinsicht des Wortschatzes wie auch der Grammatik
  • ...ein besseres Verständnis von französischen Lehn- und Fremdwörtern im Deutschen
  • ...die Hör-, Sprech- und Schreibfähigkeit in einer modernen Fremdsprache, was wiederum dem Erlernen anderer lebender Fremdsprachen dienlich ist

Französisch verbessert Berufschancen, weil ...

  • ...Frankreich ein wichtiger Handelspartner Deutschlands ist
  • ...man leichter in Frankreich studieren, leben oder nach dem Abitur als Au-Pair oder Praktikant arbeiten kann (Es besteht die Möglichkeit, das Abibac abzulegen, ein Doppel-Diplom abzulegen und eines Tages die deutsch-französische Staatsbürgerschaft zu erhalten!)
  • ...zwischen Deutschland und Frankreich zahlreiche Abkommen bezüglich Anerkennung von Studien- oder Berufsabschlüssen bestehen

In Französisch geht es nicht nur um die Sprache, sondern auch um Kulturelles, zum Beispiel:

  • die französische Geschichte (Ludwig XIV und sein Einfluss auf Europa, die französische Revolution, Napoleon, Kolonisation, Verhältnis zu Deutschland) – Es gibt sogar ein deutsch-französisches Geschichtsbuch!
  • die aktuelle Tagespolitik (Schul- und Regierungssystem, Wahlen, Vorstadt- und Einwandererproblematik, EU-Politik, ...), dies erlaubt ein besseres Verständnis von Nachrichten und politischen Geschehnissen
  • die französische Philosophie (Descartes, Montesquieu, Rousseau, Voltaire, Jean-Paul Sartre)
  • die französische Literatur (Molière, Corneille, Victor Hugo, Baudelaire, ...)
  • französische Filme (z. B. auf ARTE und TV5), Chansons, Essen und Trinken, Mode, Erfindungen
  • französische Städte und Regionen
Insgesamt gilt:
  • Auch Französisch fordert und vermittelt einen konzentrierten Arbeitsstil, bei dem gerade auf Kleinigkeiten zu achten ist (z. B. Tempusbildung durch Verbendungen).
  • Wie in jeder Fremdsprache ist ein kontinuierliches Arbeiten und Lernen unerlässlich, um ein solides Grundwissen aufzubauen.
  • Französisch vermittelt fächerübergreifende Fähigkeiten und Kenntnisse, wie zum Beispiel historische Zusammenhänge, politisches Wissen und Kommunikationsfähigkeit.
  • Wie oben bereits ausgeführt, verbessert Französisch Berufschancen sowohl für die Bewerbung als auch im Studium.
  • Grundsätzlichgilt: Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr: Die französische Sprache ist zu komplex, um sie abends „nebenbei“ nachzulernen.

 

Wo kann ich weitere Informationen erhalten? Wie treffe ich meine Wahl?

Sollten trotz all der hier gebotenen Informationen noch Fragen offen bleiben, werden die Fachbetreuer für Latein (Herr Möltgen) und Französisch (Frau Tilghman) selbstverständlich versuchen, in ihren Sprechstunden Antworten auf alle weiteren Fragen zur Sprachenwahl zu geben. Vor allem aber empfehlen wir, Schülerinnen und Schüler, die bereits ihre zweite Fremdsprache lernen, nach ihren Erfahrungen zu befragen. Wenn keinerlei Kontakt zu Gymnasiasten besteht, gibt es zum Beispiel am Tag der offenenTür Gelegenheit,mit erfahrenen "Lateinern" und "Franzosen" ins Gespräch zu kommen.


Den Eltern empfehlen wir: SprechenSie mit Ihrem Kind über die Inhalte der Fächer Latein und Französisch, und lassen Sie dann Ihr Kind entscheiden, welche Sprache ihm sympathischer ist. Das Interesse an dem neuen Fach wird für den Lernerfolg von großer Bedeutung sein.


für die Fachschaften Latein und Französisch:
Peter Möltgen und Tanja Tilghman

 

(Stand: Oktober 2013)