Grundsätzlich gibt es im Laufe der gymnasialen Ausbildung zwei Möglichkeiten, das Fach Latein mit einem qualifizierenden Nachweis abzulegen:

Lateinschülerinnen und –schüler, die das Fach Latein nach der 9. Klasse zugunsten einer spät beginnenden Fremdsprache (am FLG Spanisch) mit der Gesamtnote ausreichend oder besser ablegen, haben damit den Nachweis gesicherter Lateinkenntnisse (sog. „kleines Latinum“) erworben. Wer die 10. Klasse in Latein mit der Gesamtnote ausreichend oder besser abschließt, hat damit das eigentliche Latinum ( "großes" Latinum). 

Für besonders versierte Lateiner gibt es darüber hinaus die Möglichkeit, das „große“ Latinum am Ende der 9. Jahrgangsstufe mit einer Feststellungsprüfung zu erwerben. Hier folgen die rechtlichen Bestimmungen zur Durchführung dieser Prüfung:

 

Durchführung der Feststellungsprüfung:

Die Feststellungsprüfung ist grundsätzlich schriftlich und mündlich abzulegen.Schriftlicher und mündlicher Teil werden im Verhältnis 2 : 1 gewichtet. Bei der Bildung der Gesamtnote für die Latinumsprüfung sind die auf eine ganze Zahl gerundetenTeilnoten für die schriftliche und mündliche Leistung zugrunde zu legen. Die Prüfung ist bestanden, wenn die Gesamtnote „ausreichend“ oder besser lautet und wenn in der schriftlichen und der mündlichen Prüfung jeweils mindestens die Note „mangelhaft“ erreicht wurde. Die Gesamtnote für die in Jahrgangsstufe 9 (achtjähriges Gymnasium) bzw. in Jahrgangsstufe10 (neunjähriges Gymnasium) erbrachten kleinen Leistungsnachweise(achtjähriges Gymnasium) bzw. mündlichen Leistungen (neunjähriges Gymnasium) zählt auf Antrag als mündlicher Teil der Feststellungsprüfung. Ansonsten ist eine eigene mündliche Prüfung im Umfang von 20 Minuten über den Stoff der Jahrgangsstufe 9 bzw. 10 abzuhalten. Die schriftliche Prüfung besteht aus der Übersetzung eines lateinischen Originaltextes, die Bearbeitungszeit beträgt 90 Minuten. Der schriftlichen Prüfung (ca. 110 lateinische Wörter) ist der Schwierigkeitsgrad einer inhaltlich anspruchsvolleren Cicero-Stelle zugrunde zu legen, die Benutzung eines vom Staatsministerium zugelassenen Lexikons ist erlaubt. Der Termin für die Prüfung soll erst am Ende des Schuljahres liegen, wenn definitiv feststeht, dass von den an der Feststellungsprüfung teilnehmenden Schülern Latein in Jahrgangsstufe 10 (achtjähriges Gymnasium) bzw. in Jahrgangsstufe 11 (neunjähriges Gymnasium) nicht belegt wird. Eine Wiederholung der Prüfung ist nur einmal möglich, aber erst nach angemessener Frist (in der Regel nach einem Jahr).

Quelle: Bekanntmachung des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus vom 16. März 2007 (KWMBl I S. 150)

In der Praxis bedeutet das: Der geforderte Schwierigkeitsgrad (anspruchsvollere Cicero-Stelle) liegt deutlich über dem Niveau der in Jahrgangsstufe 9 gelesenen Lektüren. Die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen, dass das Ergebnis der schriftlichen Feststellungsprüfung im Schnitt zwei Notenstufen unterhalb der Zeugnisnote liegt. Ohne ernsthaftes zusätzliches Übersetzungstraining und Übung im Wörterbuchgebrauch ist die Prüfung kaum machbar. Die im obigen Schreiben dargestellte Option, dass der Durchschnitt der kleinen Leistungsnachweise die mündliche Prüfung ersetzt, ist bei uns am FLG der Regelfall. Da immer wieder nachgefragt wird, muss hier auch klargestellt werden , dass Schüler, die Latein in der 10. Jahrgangsstufe weiter belegen, nicht berechtigt sind, die Feststellungsprüfung "auf Verdacht" zu probieren.

Auf die ebenfalls oft gestellte berechtigte Frage, für welche Studiengänge das Latinum überhaupt erforderlich ist, ist es seit der Studienreform eher schwieriger geworden, zu antworten. Es kann durchaus passieren, dass das Latinum zur Zulassung für ein Bachelor-Studium nicht erforderlich ist, wohl aber für einen Master oder eine Promotion im gleichen Fach. Nach momentanem Stand kann man vielleicht folgendes sagen: Wer sich für eine Sprach- oder Kulturwissenschaft interessiert, ist mit dem Latinum auf der sicheren Seite, vor allem wenn man sich nicht mit dem Bachelor zufrieden gibt.

 

Für die FS  Latein

 

gez. Peter Möltgen