Antike Kultur und ihr Fortwirken

 

 

Griechische (und römische) Kultur

Rom und Griechenland

Tourismus [37]: Viele Römer reisten nach Griechenland, um kulturelle Zentren (Athen, Epidauros, Delphi, Korinth) zu besuchen und/oder in Griechenland zu studieren. Es gab auch Reiseliteratur (z. B. Pausanias, Die Beschreibung Griechenlands). Ein wichtiges Reiseziel war auch Olympia [37]:

? heiliger Ort und Kultstätte ? Olympische Spiele wurden seit 776 v. Chr. zu Ehren der Götter veranstaltet (daran nahmen [fast] nur Männer teil).

? wichtigstes Heiligtum des Zeus: Tempel mit der Zeusstatue des Phidias, einem der sieben Weltwunder.

? Während der Olympischen Spiele herrschte der olympische Friede (Ekecheiría) ? auch heute wird zur Zeit der Olympischen Spiele zum weltweiten Frieden aufgerufen. 

 

Griechische Philosophen und Naturwissenschaftler

Begriff „Philosoph“: wörtl. „Freund der Weisheit“ [39]

Archimedes: lebte im 3. Jh. v. Chr. in Syrakus; erfand Verteidigungsmaschinen, die Wasserschnecke, berechnete und formulierte das Hebelgesetz (berühmtes Zitat: „Gib mir einen Standpunkt außerhalb der Erde, und ich will sie bewegen.“), berechnete die Zahl ?; berühmter Ausruf „Heureka“(„Ich hab’s gefunden.“), als er entdeckte, dass man den Goldgehalt der Königskrone über den Vergleich ihres Gewichts mit der Menge des Wassers, das sie verdrängte, feststellen kann. [38]

Sokrates: verbreitete seine Gedanken nicht in Vorträgen, sondern durch Fragen und Dialoge; berief sich auf eine Art innere Stimme (Daimonium), die ihn vor falschen Entscheidungen bewahre; 339 v. Chr. wurde er in Athen zum Tode verurteilt und mit Gift (Schierlingsbecher) hingerichtet (Vorwurf: Weigerung, die Götter anzuerkennen, und Verderben der Jugend). Sokrates gilt als Begründer der Ethik, der philosophischen Richtung, die vor allem mit dem Wollen und Handeln des Menschen befasst ist. [39]

weitere Philosophen: Thales (Erfinder verschiedener technischer Geräte) [38], Pythagoras [39]

 

Griechische Philosophenschulen (mit großem Einfluss auf dier ömische Philosophie) [43]

Eudaimonia: glückliches Leben ? Ziel fast aller Philosophenschulen

Kyniker: Ideal des moralischen und natürlichen Lebens ohne Macht, Bildung und Luxus; Ignorieren gesellschaftlicher und religiöser Zwänge; bekanntester Vertreter: Diogenes, der wegen seines Bettlerlebens als kúon(Hund) verspottet wurde.

Stoiker: benannt nach ihrem Sitz, einer Säulenhalle (Stoa) in Athen; Ideal der selbstgenügsamen und vernünftigen Lebensführung, die den Menschen das Schicksal mit Gelassenheit ertragen lässt; Verpflichtung, politische Verantwortung zu übernehmen; wichtiger römischer Vertreter: Seneca(1. Jh. n. Chr.): Verfasser philosophischer Lehrbriefe an einen gewissen Lucilius.

Epikureer: geht auf Epikur (4./3. Jh. v. Chr.) zurück, der seine Schüler in einem Garten (griech. kêpos) unterrichtete; Ideal des ruhigen und genussvollen Privatlebens ohne politische Betätigung und der seelischen Ausgeglichenheit; berühmter Anhänger in Rom: der Dichter Horaz, der den Ausspruch Carpe diem! („Pflücke den Tag!“) prägte.

 

Griechisches und Römisches Drama [41]

Ursprünglich zu Ehren des Gottes Dionysos durchgeführte Kulthandlungen, aus denen sich in Athen die Dionysien (Spiele für Dionysos mit Komödien- und Tragödienwettbewerb) entwickelten.

Tragödie: stellt ausweglose Situationen dar, in die hohe Persönlichkeiten gelangen; z. B. das Drama König Ödipus des griechischen Tragödien dichters Sophokles

Komödie: stellt lustige Begebenheiten dar; z. B. das Drama Die Wespen des griechischen Komödiendichters Aristophanes; wichtiger römischer Vertreter: Plautus (3./2. Jh. v. Chr.), der griechische Vorbilder bearbeitete.

 

Römische Kultur und Geschichte

Römische Rhetorik (Redekunst) [42; Grammatik: S. 36-37]

Wichtige Stufen bei der Entstehung einer Rede: inventio (Sammlung des Stoffs) – dispositio (Gliederung) – elocutio (Ausformulierung)– memoria (Auswendiglernen) – pronuntiatio (Vortrag)

Wichtige stilistische Mittel (vgl. Übersetzungstext 42): rhetorischeFrage, Anapher, Chiasmus, Asydeton, ParallelismusAlliteration

Bedeutendster römischer Redner: M. Tullius Cicero

 

Römische Architektur [LV8]

Die römische Baukunst steht unter dem Einfluss der Griechen und prägte ihrerseits die Architektur in Europa (unddarüber hinaus); z. B.: Säulen, (Triumph-)Bögen, Aquädukte (Wasserleitungen). Baumaterialien waren gebrannte Lehmziegel und opus caementicium (Gemischaus Steinbrocken und Mörtel). Das wichtigste lateinische Werk zum Thema ist Dearchitectura von M. Vitruvius Pollio (1. Jh. v. Chr.).

 

Römisches Recht [44;Ergänzung zu dem in Klasse 6 Gelernten]

Zwölftafelgesetz (um 450 v. Chr.): Grundlage des römischen Rechts; wurde über die Jahrhunderte ständig erweitert.

Lex Aquilia (3. Jh. v. Chr.): Regelung von Schadenersatzfragen

Corpus Iuris Iustiniani (6. Jh. n. Chr.): Gesetzessammlung, die der römische Kaiser Justinian aus den bestehenden Gesetzen erstellen ließ; Vorbild aller modernen Rechtsordnungen der westlichen Welt

 

Religionen in Rom [45]

Mithraskult: Verehrung des persischen Sonnengottes Mithras; kultische Handlungen, an denen allein männliche Anhänger teilnehmen durften; Opferung eines Stiers

Christentum: ursprünglich vor allem von Menschen unterer Schichten praktiziert, die sich in Katakomben (unterirdischen Friedhöfen) trafen; bedeutendes Symbol: der Fisch (griech. ichthýs, das Wort setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der griechischen Begriffe für „Jesus Christus, Gottes Sohn, Retter“ zusammen); häufig grausame Christenverfolgung, Duldung erst Anfang des 4. Jh. n. Chr.; Staatsreligion unter Kaiser Theodosius

 

Griechische und Römische Musik [47]

Begriff Musik: ursprünglich zur Bezeichnung aller Fertigkeiten, die von den Musen (die neun Töchter des Zeus und der Göttin der Erinnerung Mnemosyne) verliehen wurden ? Musen als Gottheiten für die Inspiration der Künstler

Ursprünglich eng mit Dichtung verbunden (z. B. „Lyrik“ als Dichtung,die zum Saiteninstrument Lyra vorgetragen wurde).

 

Wichtige historische Ereignisse:

Belagerung und Einnahme Alesias (unter Vercingetorix) durch Caesar, geschildert in dessen Bericht Über den GallischenKrieg [42]; als Beispiel für die Technik römischer Historiker, ihre Darstellungen durch das Einfügen von Reden lebendiger zu machen, vgl. die Rededes Critognatus in der belagerten Stadt.

 

Vesuvausbruch (79 n. Chr.) [40]: Untergang der Städte Pompeji und Herkulaneum ? Ausgrabungen (seit dem 19. Jh.) fördern unter Luftabschluss erhaltene antike Kunst- und Gebrauchsgegenstände (u. a.Gemälde, Bücher) ? besonders bedeutend sind die pompejanischen Graffiti, lateinische Inschriften, die einen Einblick in das Alltagsleben der Pompejaner bieten [LV8].

 

Teilung des römischen Reiches in Ost- und Weströmisches Reich (Ende3. Jh. n. Chr.) [45]: vorgenommen durch Kaiser Diokletian ?Konflikt zwischen Maxentius und Konstantin um die Herrschaft über das Weströmische Reich mit entscheidender Schlacht an der Milvischen Brücke (311 n. Chr.); Konstantins Sieg soll durch Beistand des christlichen Gottes herbeigeführt worden sein (In hoc signo vinces.) ?Duldung des christlichen Glaubens in Rom.

 

Nachleben römischer Kultur inder Spätantike, dem Mittelalter und der Neuzeit:

Konstantinopel [46]: von Kaiser Konstantin im Jahr 330n. Chr. gegründete Hauptstadt des Oströmischen Reichs, die als „zweites Rom“gilt; Errichtung der Hagia Sophia als größter christlicher Kirche durch Kaiser Justinian (6. Jh. n. Chr.) ? Konflikt mit dem Bischof von Rom, Abtrennung des orthodoxen christlichen Glaubens von derrömisch-katholischen Kirche; seit dem 15. Jh. heißt die Stadt Istanbul, und die Hagia Sophia ist eine Moschee. Nach dem Untergang Konstantinopels galt Moskau, die Hauptstadt des russischen Reiches, als„drittes Rom“ ? daher die Herrscherbezeichnung Zar (abgeleitet von Caesar).

 

Carmina Burana [47]: mittelalterliche Sammlung (12./13.Jh.) von Gedichten in verschiedenen Sprachen (u. a. auf lateinisch) und zuverschiedenen Themen aus dem Kloster Benediktbeuern in Bayern; berühmt durch die Vertonung des Komponisten Carl Orff in 20. Jh.

 

Vulgata [48]: Bibel in lateinischer Sprache (vgl. die große Bedeutung des Lateinischen als Gelehrtensprache; Zentren der Gelehrsamkeit wurden im Mittelalter die Klöster)

 

Legenda aurea [48]: wichtigste mittelalterliche Legendensammlung, aufgeschrieben durch Jacobus de Voragine (13. Jh.): Heiligenkalender gemäß dem Ablauf des Kirchenjahres (beginnend mit dem Advent); u. a. Geschichte von der Tötung des Drachen durch den Heiligen Georg

 

Humanismus [49]: Ideal der Bildung (lat. humanitas) inantiker Kultur, das während der Renaissance (franz. für Wiedergeburt) um 1500 in Europa große Bedeutung erlangte (gefördert durch Johannes Gutenbergs Erfindung des Buchdrucks 1440) ? Versuch, die während des Mittelaltersveränderte lateinische Sprache wieder zu dem Latein Ciceros zu machen; auch wieder Beschäftigung mit griechischer Sprache und Kultur (Schlagwort: Adfontes!); wichtiger Vertreter: Erasmus von Rotterdam (z. B. Sammlung lateinischer Zitate; „Klage des überall auf der Welt vertriebenen undvernichteten Friedens“; Ausgabe des griechischen Neuen Testaments)

 

Weitere bedeutende Autoren, die in der Neuzeit lateinische Texteverfassten (15./16. Jh.): [50]

Amerigo Vespucci: Verfasser der Schrift Mundus novus über das neu entdeckte Amerika (nach Vespuccis Vornamen benannt).

Nikolaus Kopernikus: Astronom, Begründer des heliozentrischen Weltbildes; wichtiger Einfluss auf die Forschungen Galileo Galileis (16./17.Jh.): italienischer Mathematiker und Naturwissenschaftler

Thomas Morus: englischer Staatsmann und Humanist; wichtigstes Werk: Utopia, ein Reisebericht über einen erfundenen Staat.