Brauchen wir ein neues Schulfach?

Unsere Welt befindet sich in rasantem Wandel. Wir existieren zwischen Globalisierung und Digitalisierung. Die Realität, die uns heute erwartet, ist eine grundlegend andere als noch vor 50 oder sogar vor 20 Jahren. Anforderungen verändern sich, Berufe verändern sich, unsere Gesellschaft verändert sich. Immer wieder wird angezweifelt, ob unsere klassischen Schulfächer da noch ausreichen. Das System ist immerhin uralt und hat sich seit Ende des Zweiten Weltkrieges kaum verändert. Dahinter steht letzten Endes auch die Frage, ob wir in der Schule von heute das richtige für morgen lernen.

Das Bildungssystem hat verschiedene Funktionen: Eine davon ist der Bevölkerung grundlegende Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten zu vermitteln, um die Nachfrage des Arbeitsmarktes zu befriedigen. Auf die Frage, welche Fähigkeiten und Qualifikationen man im Arbeitsmarkt von morgen denn so benötigt, gibt es wahrscheinlich unendlich viele Antworten.

Die europäische Kommission hat 2006 auf der Basis zahlreicher wissenschaftlicher Untersuchungen acht Schlüsselkompetenzen definiert. Diese sollte möglichst jeder europäische Bürger haben, um ein erfülltes und integriertes Leben führen zu können und natürlich, um Arbeit zu finden. Schon damals gehörte wenig überraschend auch die digitale Kompetenz dazu. Diese ist laut der EU seit geraumer Zeit besonders wichtig. Erst einmal nehmen Technologien ganz allgemein einen immer größeren Platz im Alltag ein, aber darüber hinaus nehmen viele Forscher an, dass die fortschreitende Digitalisierung voraussichtlich eine Automatisierung ermöglichen wird. In der Folge werden dann viele Arbeitsplätze mit Routinetätigkeiten überflüssig. Vor diesem Hintergrund werden spezifisch in Deutschland im Zuge der Industrie 4.0 voraussichtlich allerdings auch sehr viele neue Arbeitsplätze für hoch qualifiziertes Personal geschaffen. Für diese Jobs werden unter anderem technisches Verständnis und IT-Fachwissen absolut essentiell sein.

Die Infrastruktur in manchen Schulen hängt so oder so in vielen Fällen noch gewaltig hinterher. Der beschlossene „digital Pakt“ soll das zum Teil ändern. Aber wenn Tablets und Laptops eventuell irgendwann in die Schulen kommen und das lang weiter ausgebaut wird, gerade dann braucht es Informatik und qualifizierte Lehrer, um den Schülern zu ermöglichen, der Technik näherzukommen. Laptops, Tablets oder die Handys der Schüler könnten natürlich auch in anderen Fächern genutzt werden. Zum Beispiel mit Hilfe der Schul-Cloud, die sich gerade in der Entwicklung befindet. Vor diesem Hintergrund erscheint es direkt noch wichtiger, Informatikunterricht überall einzuführen, damit Technik nicht nur bedient, sondern auch verstanden und beherrscht wird. Verschiedene Studien haben gezeigt, dass digitale Elemente den Unterricht verbessern und bereichern können, aber es kommt sehr darauf an, wann, wie lange und wie genau digitale Medien eingesetzt werden und für welche Zwecke. Gerade deshalb muss die Lehrerschaft massiv fortgebildet werden. Digitale Kompetenzen sind bei Lehrern oft lückenhaft. Laut dem Bildungsmonitoring 2018 werden verschiedenste digitale Instrumente für den Unterricht deutschlandweit dementsprechend auch kaum oder gar nicht eingesetzt. Besonders bitter ist übrigens der mangelhafte Breitbandausbau- einer der größten Hindernisse für die Digitalisierung der Schulen. Zusammengefasst brauchen Schüler digitale Kompetenzen für ein besseres Lernen, für ein sicheres Navigieren und für bessere Chancen in einer neuen Arbeitswelt. Gerade auch in Deutschland verpflichtender Informatikunterricht kann hier ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung sein. Informatik ist somit kein komplett neues Fach, es braucht aber einen ganz neuen festen Platz im Stundenplan.

Quellen:

https://eur-lex.europa.eu/legal-content/EN/TXT/PDF/?uri=CELEX:52018SC0014

https://www.insm-bildungsmonitor.de/pdf/Forschungsbericht_BM_Langfassung.pdf

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