Ein Film sorgt für Herzschlag

Dass am ersten Dezember rote Luftballons über den Schulhof fliegen und schon wieder überall Plakate hängen, liegt niemanden so richtig am Herzen. Die Unterstufe engagiert sich für etwas, was sie allerhöchstens am Rande betrifft und in der Oberstufe heißt es, über HIV und Aids müsse man doch sowieso alles wissen. Vor etwa dreißig Jahren sah das absolut anders aus.

Diese Zeit zeichnet der französische Film 120 BPM (Beats per minute), der am Donnerstag in die Kinos kam, nach. Dabei geht es nicht um abgegriffene Plakate sondern um radikale Aktionen für Akzeptanz. Der Regisseur Robin Campillo, früher selbst Mitglied der Aktivist*innen Gruppe ACT UP, erzählt von jungen Menschen. Sie sind immerwährend mit dem Tod konfrontiert, und stehen trotzdem, oder gerade deshalb auf, um über eine Krankheit aufzuklären, der der Staat und die Pharmakonzerne nur langsam und mit wenig Herzblut begegnet. Dafür werden die Pharmakonzerne von ACT UP mit umso mehr Kunstblut bespritzt. Kunstblutaktionen und Aufklärung sind nur einige der  vielen gewaltfreien, berührenden und schockierenden Aktionen. Obwohl es immer um den Tod geht, obwohl der Film oft sehr leise und detailliert, wenig polemisch persönliche Geschichten erzählt, pulsiert er  insgesamt vor starken Personen und bewegenden Worten. Es geht um Liebe, um Freundschaft, um Verantwortung, letztendlich aber ums weiterleben und weiterkämpfen.

Nicht nur für die HIV Aufklärungsarbeit, die nach wie vor wichtig ist, sondern auch für die Themen unserer Generation. Eine Welt Aids Tag Aktion mit Heliumballons aus Plastik hat weder mit Aufklärung noch mit Kämpfen für unsere Umwelt, eine der schützenswertesten Dinge unserer Zeit, zu tun.

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