„Wir sind von einem normalen Leben in den Abgrund gefallen“

Zwi Katz erzählte am Mittwoch von seinen Erlebnissen vom Ghetto bis zur Befreiung:

Als er und seine Familie ins Ghetto kamen war er 13 Jahre alt, also jünger als die meisten Zuhörer im Kupferhaus.(9,10,Q11). Er wäre bereits zu diesem Zeitpunkt an Hunger gestorben, hätte seine Schwester nicht unter Todesstrafe für ihn Essen geschmuggelt.

„Wir wurden nicht erschossen oder vergast, es war diese teuflische Kombination“

Nach einer tagelangen Fahrt in einem Waggonzug ohne Essen oder Trinken kam Zwi Katz in das Außenlager „Kaufering“ von Dachau. Er schlief dort in einer Erdmulde über die ein Giebeldach gelegt war. „Die Menschen starben schon nach wenigen Wochen“, erzählt Herr Katz. Das waren diejenigen, die den Betonbunker bauen mussten. Die Häftlinge sind gestorben, weil sie zwölf Stunden arbeiten mussten und nur dünne Suppe bekommen haben. Und die wurde mit der Zeit immer dünner!

Ich wusste nicht, woher ich diese Energie hatte, es war wie ein Wunder“

Auf dem „Todesmarsch von Dachau“ wurden alle KZ-Häftlinge, die noch laufen konnten, Richtung Alpen geschickt. „Die Menschen sind einfach umgefallen, nicht zusammengesackt, sondern einfach nach vorne gefallen, mitten im Schritt. Alle sind weitergelaufen, auch wenn ihnen schwarz vor Augen war, sind sie immer weiter gelaufen, bis sie einfach umgefallen sind. Plumps!“, erklärt Zwi Katz, der sich auch unter den getriebenen Häftlingen befand. Er ist zweimal von diesem Zug davon gelaufen, doch immer wieder ist er auf das Lager seines Zuges gestoßen. Auf einer Flucht ist er in ein Bauernhaus gelaufen und hat in der dortigen Scheune Körner gefunden. Erst als er schon alle Taschen und den Mund voller Körner hatte, hat er bemerkt, dass sich in der Scheune auch SS-Männer an den Körnern bedienten. Als er dann losgelaufen ist, hatte er plötzlich unglaubliche Kräfte. Jetzt weiß er, dass es an den Körner lag, die er gegessen hat.

Mehr von Zwi Katzs Erinnerungen an das Ghetto, das Konzentrationslager und den Todesmarsch findet ihr in seinem Buch:

Von  den Ufern der Memel ins Ungewisse von Zwi Katz 

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