Stadtluft macht frei

Im Klassenzimmer der 5d steht vorne Frau Czisch, die Hände in die Hüften gestützt, redet sie mit der Klasse. Aber das, das kennen die 5d-ler, die Frau vorne ist aber keine Lehrerin, sondern sie trägt ein blaues Leinen-Kleid, eine weiße Schürze, einen Korb über der Schulter und ein weißes Tuch um den Kopf gebunden. An ihrem Gürtel hängt eine Blockflöte und ein Stofftaschentuch.

„Was war den anders im Mittelalter“ fragt sie.

Es gab keine Elektrizität, keine Computer, keine Glühbirnen, das Salz war teuer und die Häuser, gebaut aus Holz, Stein und Stroh, mussten die Stadtbewohner im Brandfall selber löschen. Aber das das nicht das einzige ist, was um 1318 anders war, zeigt sich als das Klassenzimmertheaterstück beginnt.

Resi, genannt Reserl lebt in München als Marktfrau. Sie verdient genug, denn sie entspricht dem Schönheitsideal einer fülligen Frau.
„Hochwohl Geborener Herr Gerold ist denn des so schwar, do is dein Platz und do is der meinige“ blafft Resi. Plötzlich wird das Klassenzimmer zu dem mittelalterlichen, gut belebten Marienplatz. Man hört beinahe die Marktschreier, die rufenden Kinder und die Tiere.

Die Schulbänke sind Marktstände und die Schüler Händler.

Und im Mittelpunkt steht die auf Bayerisch erzählende Kräuterverkäuferin. Sie erzählt nur mit einem Stock ausgerüstet und natürlich ihrer Stimme, immer wieder ist sie eine neue Person, Kinder, Erwachsene, Männer und Frauen. Die geschwätzige Resi erzählt von der neuen Marktordnung, einem zehnjährigen Jungen, der beim Bau arbeiten muss, um seinen Eltern, ehemaligen Bauern, zu helfen und sich dabei die Hand verletzt hat. Oder über die heimlich Liebenden, einem Ritter und der Tochter eines reichen Mannes, die nicht heiraten dürfen, weil der Vater lieber möchte, dass seine Tochter einen Kaufmann heiratet.

Stadtluft macht frei, heißt das Theaterstück. Das bezieht sich darauf, dass Leibeigene, die ein Jahr in der Stadt gelebt haben und nicht von ihrem Grundherren zurückgefordert wurden, frei wurden. Und nicht, wie ein Schüler vermutete, weil man in der Stadt mehr pupsen darf.

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